Copilot Study & Learn Agent: Nicht vorsagen, sondern beim Lernen begleiten
Wie ich den Study and Learn Agent von Microsoft Copilot in zwei Mathematikklassen eingesetzt habe und welche Regeln dabei geholfen haben, dass KI das Lernen unterstützt statt Lösungen vorgibt.
Das Problem
Wenn Schülerinnen und Schüler KI für Mathematikaufgaben verwenden, erhalten sie häufig sofort die komplette Lösung. Das spart zwar Zeit, führt aber nicht automatisch zu mehr Verständnis.
Mich interessierte deshalb die Frage, ob KI auch anders eingesetzt werden kann: als Lernbegleiter, der beim Denken unterstützt, statt die Antwort vorwegzunehmen. Genau dafür hat Microsoft den Study and Learn Agent entwickelt. Anders als ein klassischer Chatbot soll er Lernende durch Rückfragen, Hinweise und Erklärungen beim Verstehen unterstützen.
Um das Potenzial im Schulalltag zu prüfen, habe ich den Agenten zunächst Lehrpersonen vorgestellt und anschliessend mit zwei Klassen der 3. Oberstufe im Mathematikunterricht getestet. Das Thema war Kugelgeometrie, bewusst kein einfaches Lerngebiet.
Was ist der Copilot Study and Learn Agent? Der Study and Learn Agent ist ein spezieller Chatmodus innerhalb von Microsoft Copilot, der für Lernen und Unterricht entwickelt wurde. Anders als ein normaler KI-Chat gibt er nicht möglichst schnell Antworten aus, sondern unterstützt Lernende mit Fragen, Erklärungen, Quizformaten und schrittweisen Hilfestellungen.
Der Agent ist in allen Microsoft 365 Edu-Lizenzen enthalten. Copilot muss für Sie und Ihre Schülerinnen und Schüler aktiviert sein, damit der Agent angezeigt wird. Die Nutzung ist erst ab 13 Jahren erlaubt. So finden Sie den Study and Learn Agent:
- Copilot öffnen
- Links zu den Agenten wechseln bzw. das Agenten-Menü öffnen
- Im Chat-Dropdown Study and Learn auswählen
So bin ich vorgegangen
Zunächst haben die Lehrpersonen den Agenten selbst ausprobiert. Dabei wurde schnell deutlich, dass er sich anders verhält als ein herkömmlicher KI-Chat. Anschliessend arbeiteten die Schülerinnen und Schüler mit dem Agenten. Dafür haben wir einige einfache Regeln vereinbart:
- Nicht einfach die komplette Aufgabe eingeben.
- Beschreiben, was bereits verstanden wurde.
- Den eigenen Lösungsansatz erklären.
- Gezielt um Hinweise oder Erklärungen bitten.
- Antworten kritisch prüfen und nicht ungefiltert übernehmen.
Dadurch sollte die KI nicht als Lösungsmaschine, sondern als Lernpartner genutzt werden.
Während der Arbeit konnten sich die Schülerinnen und Schüler Formeln erklären lassen, Verständnisfragen stellen oder bei schwierigen Aufgaben gezielt Denkanstösse einholen. Der Fokus lag dabei immer auf dem eigenen Lösungsweg.
Das kam heraus
Der Agent hat die Schülerinnen und Schüler selbst bei einem anspruchsvollen Thema wie Kugelgeometrie erstaunlich gut unterstützt. Viele Lernende erhielten genau die Hilfestellung, die sie in diesem Moment benötigten, ohne dass ihnen die Lösung vollständig vorgegeben wurde.
Besonders hilfreich war die individuelle Unterstützung. Schülerinnen und Schüler konnten Rückfragen stellen, Begriffe mehrfach erklären lassen oder Zusammenhänge aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten.
Gleichzeitig zeigte sich aber auch: Gute Ergebnisse entstehen nur dann, wenn Lernende ihre Fragen präzise formulieren und aktiv mitdenken. Je genauer beschrieben wurde, wo das Verständnisproblem liegt, desto hilfreicher waren die Antworten des Agents.
Mein Learning
Weiterführende Informationen Der Erfahrungsbericht und ein Video zur Erprobung sind auf ictschule.com veröffentlicht.