Unterricht 20 min.

Nicht vorsagen, sondern weiterhelfen: Einen Lernassistenten bauen

Ein KI-Assistent muss Schüler:innen nicht einfach Antworten liefern. Mit den richtigen Vorgaben kann er eine andere Rolle übernehmen: Fragen stellen, kleine Hinweise geben und Lernende Schritt für Schritt dabei unterstützen, selbst auf eine Lösung zu kommen.

Thomas Schmidt
Thomas Schmidt
Bildungsexperte · Berlin
Hand greift nach einer farbigen Klettergriff an einer Felswand mit Berglandschaft und Sonnenuntergang im Hintergrund.

Das Problem

Eine Realschullehrerin schilderte mir bei einem unserer letztzen Trainings folgendes Problem: Bei Übungsaufgaben erlebe sie häufig dieselbe Situation: Einige Schüler:innen kommen an einer Stelle nicht weiter und brauchen eigentlich nur einen kleinen Impuls. Wenn sie sofort die Lösung verrate, seit ihnen aber wenig geholfen. Zusammen wollen wir ausprobieren, ob sich eine KI so konfigurieren lässt, dass sie genau diese Rolle übernimmt: nicht als Lösungsmaschine, sondern als Lernbegleiter, der zunächst Fragen stellt und nur so viel Hilfe gibt, wie gerade notwendig ist.

So bin ich vorgegangen

Wir haben zunächst überlegt, welche Regeln der Assistent unbedingt einhalten soll. Besonders wichtig war ihr, dass er niemals sofort die fertige Lösung nennt. Stattdessen sollte er zuerst herausfinden, was die Schüler:innen bereits verstanden haben. Danach darf er Hinweise geben – aber immer nur einen Schritt nach dem anderen. Ausserdem haben wir festgelegt, dass der Assistent in einfacher und ermutigender Sprache antworten und regelmässig Rückfragen stellen soll. Diese Regeln haben wir anschließend in einer ausführlichen Anweisung für die KI zusammengefasst und mit einigen typischen Schülerfragen getestet. Wo der Assistent noch zu viel verraten hat, haben wir die Regeln weiter verschärft.

Das kam heraus

Der Unterschied zu einer normalen Unterhaltung mit einer KI war deutlich. Statt direkt eine Lösung auszuspucken, fragte der Assistent zunächst nach dem bisherigen Lösungsweg. Anschliessend gab er kleine Hinweise oder stellte Gegenfragen.

Bei einer Mathematikaufgabe bedeutete das zum Beispiel, dass er nicht direkt das Ergebnis nannte, sondern zunächst fragte, welche Informationen aus der Aufgabe bereits bekannt waren und welcher Rechenschritt als Nächstes sinnvoll sein könnte. Beim Testen haben wir allerdings auch gemerkt, dass die Regeln sehr konkret sein müssen. Eine allgemeine Anweisung wie „Hilf den Schüler:innen beim Lernen“ reicht nicht aus. Je genauer wir beschrieben habe, wie die KI helfen soll und was sie ausdrücklich nicht tun soll, desto besser funktionierte der Assistent.

Mein Learning
Der spannende Teil beim Bau eines KI-Assistenten ist nicht die Technik. Entscheidend ist die Frage: Welche Rolle soll die KI eigentlich übernehmen? Erst als ich das sehr genau beschrieben habe, wurde aus der Antwortmaschine ein echter Lernbegleiter.
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Über den Autor

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"KI kann Lehrpersonen dabei unterstützen, individueller auf Lernbedürfnisse einzugehen, Unterricht besser vorzubereiten und neue Freiräume für pädagogische Aufgaben zu schaffen."

Thomas Schmidt ist Bildungs- und Kompetenzexperte aus Berlin. Er setzt sich dafür ein, Lehrpersonen und Schulen dabei zu unterstützen, KI verantwortungsvoll, kompetent und praxisnah einzusetzen. Dabei versteht er KI nicht nur als Technologie, sondern als wichtigen Bestandteil von Bildungs- und Veränderungsprozessen.
Thomas Schmidt
Bildungsexperte · Berlin